17.12.2015

Berufsfachschulen sichern Chancengleichheit - Kein Abschluss ohne Anschluss

Positionspapier des BLVN und des VLWN zum Erhalt der Berufsfachschulen
Berufsfachschulen sichern Chancengleichheit
- Kein Abschluss ohne Anschluss -

Der Start ins Berufsleben ist für die Bildungsbiographie eines jeden jungen Menschen von entscheidender Bedeutung. Die Berufsfachschulen sind ein hochwertiges Ausbildungsangebot für die Absolventinnen und Absolventen der Haupt-, Ober-, Real- und Gesamtschulen. Das Ziel der Ausbildung in den Berufsfachschulen ist die berufsbezogene Grundbildung in den unterschiedlichen beruflichen Fachrichtungen unter Berücksichtigung der regionalen und wirtschaftsnahen Schwerpunkte.
Bei der Neugestaltung der Berufsfachschulen im Jahr 2009 war es die daher erklärte Absicht, in enger Abstimmung mit der ausbildenden Wirtschaft, neben einer breiten Grundbildung durch das schulische Abbilden der jeweiligen Grundstufen der verschiedenen Ausbildungsberufe, eine Vertiefung der Allgemeinbildung der Schülerinnen und Schüler zu erreichen und dieses, bei der Vorlage von entsprechenden Leistungen, durch die Vergabe eines höherwertigen Bildungsabschlusses – des Erweiterten Sekundarabschlusses I – auch zu dokumentieren.

Nach dem erfolgreichen Besuch einer Berufsfachschule besteht die Möglichkeit, in das zweite Ausbildungsjahr der entsprechenden betrieblichen Berufsausbildung einzutreten. Über die Berufsfachschulen werden folglich qualifizierte und vor allem gereifte Jugendliche in den Ausbildungsmarkt geführt und sind dort aufgrund der neu erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten willkommene Bewerberinnen und Bewerber.

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Bewerbermangels stellen die Berufsfachschulen mit ihrer Verzahnung von Theorie und Praxis ein wichtiges Bindeglied zwischen allgemein bildenden Schulen und dem dualen System dar. Die Berufsfachschulen unterstützen in diesem Zusammenhang die in der allgemein bildenden Schule stattgefundene Berufsorientierung. Insbesondere die Verknüpfung der theoretisch erworbenen Kenntnisse mit der praktischen Umsetzung dieses Wissens bringt den Berufsfachschulen bei den ausbildenden Betrieben und Unternehmen ein hohes Ansehen ein und festigt die Berufsperspektiven der Schülerinnen und Schüler.

Die Schülerinnen und Schüler besuchen Berufsfachschulen, da sie aus dem persönlichen, regionalen und betrieblichen Umfeld bereits über viele gute Erfahrungen mit dieser Schulart verfügen. Die hier eingesetzten multiprofessionell qualifizierten Lehrkräfte sind überwiegend auch an den Berufsschulen in dem jeweiligen Ausbildungsberuf eingesetzt. Sie wissen folgerichtig um die Anforderungen der beruflichen Ausbildungen und können eine erfolgreiche Ausbildung gezielt fördern bzw. begleiten. Im Rahmen der praktischen Ausbildung der Schülerinnen und Schüler unterstützen sie gezielt auch Entscheidungen für die Übernahme von Praktikantinnen und Praktikanten in einen dualen Ausbildungsberuf. Umfragen sowohl in den Betrieben als auch im familiären Umfeld bestätigen diese Einschätzung und unterstreichen gerade die pädagogische Leistung der Lehrkräfte im Rahmen der Entwicklung und Förderung der Ausbildungsfähigkeit.
Die Forderung „Kein Abschluss ohne Anschluss“ gilt für diese Schulform in besonderem Maße. Die vielfach betonte Durchlässigkeit des deutschen Schulsystems findet in den Berufsfachschulen ihre optimale Umsetzung. Sie bietet Schülerinnen und Schülern eine echte Chance auf eine berufliche und schulische Weiterentwicklung.


Qualitätsmerkmale der Berufsfachschulen:

  • Die Berufsfachschulen sind die Schulen für leistungsfähige und leistungswillige Schülerinnen und Schüler nach der Klasse 9.
  • Die Berufsfachschulen bieten differenzierte Bildungsangebote in allen Berufsfeldern und für unterschiedliche Berufe an. Sie ermöglichen die qualifizierte, individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler nach Neigung, Interesse und Begabung.
  • Die Berufsfachschulen sichern durch berufsbezogene Lerninhalte dieAusbildungsfähigkeit der Jugendlichen in kaufmännischen, gewerblichen,hauswirtschaftlichen, pflegerischen, sozialen und landwirtschaftlichen Ausbildungsberufen. Sie legen damit die Grundlage für einen erfolgreichen Berufsabschluss.
  • Die Berufsfachschulen erhöhen die Chancen der Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz und öffnen und zeigen Bildungswege zur Fachhochschulreife und zum Abitur auf.
  • Im Rahmen eines doppelt qualifizierenden Bildungsgangs vermitteln und verbessern die Berufsfachschulen einen allgemein bildenden Bildungsabschluss sowie eine berufliche Grundbildung. Neben einer Vertiefung der Allgemeinbildung, insbesondere in Deutsch und Englisch, verbinden sie somit theoretische berufliche Bildung mit praktischen Ausbildungsinhalten.
  • Die Berufsfachschulen sind Bindeglieder zwischen den allgemein bildenden und den berufsbildenden Schulen und garantieren die Durchlässigkeit des niedersächsischen Bildungssystems.
  • Die Berufsfachschulen ermöglichen den Ausbildungsbetrieben die Ausbildungsdauer zu verkürzen, so dass sie schneller auf gut und umfassend ausgebildete Fachkräfte für den Wirtschaftsstandort Niedersachsen zugreifen können.
  • Die Berufsfachschulen sind für viele Schülerinnen und Schüler ein motivierender Neustart an einem Lernort mit hoch qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern in professionell ausgestatteten Werkstätten und Fachräumen in denen Ausbildungsvorgänge an modernen Maschinen und mittels aktueller Software eingeführt, umgesetzt und professionell bewertet werden können.
  • Die Berufsfachschulen sind für Jugendliche entwicklungspsychologisch ein wichtiger Baustein für den weiteren Reifeprozess, da sie weitreichende Alltagskompetenzen für eine erfolgreiche Lebensgestaltung vermitteln. Wenn den Abiturientinnen und Abiturienten wegen fehlender Reife zum Studium 13 Jahre bis zum Abitur zugestanden werden, dann ist auch den Absolventinnen und Absolventen der Sekundarstufe I eine adäquate Entwicklung zur Verbesserung ihrer Ausbildungsreife nicht zu verwehren.
  • Die Berufsfachschulen stehen auch für Chancengleichheit im Wettbewerb um duale Berufsausbildungsplätze, da immer mehr Schülerinnen und Schüler mit einer Hochschulzugangsberechtigung bevorzugt eingestellt werden.

Hannover, 16. Dezember 2015

Heinz Ameskamp (Landesvorsitzender des BLVN)

Jürgen Brehmeier (Landesvorsitzender des VLWN)