29.04.2014

Schulverwaltung versucht an beruflichen Schulen durch Streichung von Parallelklassen Lehrerstellen einzusparen

Wer trotz ausreichender Anmeldungen die Zahl der Eingangsklassen eines Bildungsgangs reduziert, schadet den Jugendlichen und den Beruflichen Schulen.

Eindringlich warnte der Vorsitzende des Berufsschullehrerverbandes (BLV), Herbert Huber am Montag (28.04.14) in Stuttgart das Kultusministerium davor, mit der Brechstange zu versuchen, das bestehende Unterrichtsdefizit (derzeit 2,2 % des Pflichtunterrichts) dadurch zu reduzieren, dass die Schulen gezwungen werden, unabhängig von den Anmeldezahlen weniger Eingangsklassen als im Vorjahr zu bilden. Eine weitere Reduzierung des Unterrichtsdefizits sei nur durch einen Verzicht auf Stellenkürzungen und Stellenumschichtungen in den Bereich der beruflichen Bildung möglich.

Dem BLV liegen Informationen insbesondere aus dem Regierungsbezirk Stuttgart vor, nach denen Schulen per telefonischer Anweisung veranlasst wurden, die Zahl der Eingangsklassen von beruflichen Bildungsgängen zu reduzieren. Wenn die Regierungspräsidien Druck auf die Schulen ausübten, unabhängig von den Schüleranmeldungen die Zahl der geplanten Parallelklassen zu reduzieren, um Schülerströme umzulenken, dann sei dies vollkommen unpädagogisch. Die zwangsläufige Folge seien übervolle Klassen und – für abgewiesene Schüler – weitere Anfahrtswege. Die Schüler bewerben sich um einen Schulplatz an beruflichen Vollzeitschulen – z. B. in den  Berufsfachschulen, Berufskollegs oder beruflichen Gymnasien –, weil sie wissen, dass ein Mehr an beruflicher Bildung die beste Voraussetzung für einen erfolgreichen Start in das Berufsleben oder ein Studium ist.

Die beruflichen Schulen haben in den vergangenen Jahren unter Beweis gestellt, dass sie vor allem im Bereich der Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund hervorragende Arbeit leisten. Unter den Bewerbern sind häufig Schüler, die noch nicht lange in Deutschland leben, die durch das Elternhaus wenig gefördert werden konnten oder die auf den allgemein bildenden Schulen nicht erfolgreich waren. Der Wechsel auf eine Berufliche Schule ist für diese Schüler oft ein Glücksfall. Die Einsparpolitik der Landesregierung führt nun dazu, dass diese Schüler unter den schlechtesten Rahmenbedingungen in übervollen Klassen unterrichtet werden müssen. Diese zusätzliche Belastung für Schüler und Lehrer lehnt der BLV ab. Solche Maßnahmen passen nicht zur viel zitierten und von allen geforderten individuellen Förderung. „Sollen Schüler an beruflichen Schulen nicht individuell gefördert werden?“, fragt sich der BLV-Vorsitzende Herbert Huber abschließend.

  • An den beruflichen Schulen werden im laufenden Schuljahr landesweit rund 358.960 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.
  • Der Verband der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen in Baden-Württemberg e.V. (Berufsschullehrerverband) vertritt in Baden-Württemberg über 10.000 Lehrerinnen und Lehrer.
  • Der Verband der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen in Baden-Württemberg e.V. (Berufsschullehrerverband) hat im Bereich der beruflichen Schulen in allen Personalvertretungen auf Regierungspräsidiumsebene sowie im Kultusministerium die Mehrheit.


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